Forschungskolloquium des Instituts für Volkskunde/Europäische Ethnologie der LMU München

Gehen heißt immer auch denken, schauen, fühlen – Gänge durch Natur und Landschaft folgen immer auch Gedankengängen. Die meisten Fußgänger der Geschichte – Vagabunden, Landstreicher, Flüchtlinge – besaßen keinen guten Leumund, waren sie doch nicht freiwillig zu Fuß unterwegs, sondern weil sie mussten. Das 19. Jahrhundert gilt als Epoche des Aufbruchs hin zum modernen Wandern – aus freiem Willen, selbstbestimmt und selbstbewusst. Jetzt wird das Wandern um der Bewegung willen zur Lust. Wälder, Landschaften, Gebirge – ehedem abweisende Orte der Angst – entfalten ästhetische Anziehungskräfte und werden zu Räumen neuer ästhetischer und körperlicher Erfahrung.

Der Vortrag folgt den neuen Gangarten und ihren ideologischen Schrittmachern. Wandern – eine deutsche Lust?

Prof. Dr. Friedemann Schmoll lehrt an der Universität Jena.

Dienstag, 24. April 2018, 18.30 Uhr Eintritt frei