Mittwochabend, Treffpunkt Kellerstraße 37 in Haidhausen. Theorieabend zum Alpinklettern-Aufbaukurs bei Christoph steht an. Die erste wichtige Frage am Abend: Kann der Kurs überhaupt stattfinden? Wintereinbruch zum Wochenende in den Alpen. Mit Schnee bis runter auf 1700 Meter. Jackpot, unsere Unterkunft liegt auf 1730 m ü. A. 😊 Der Bericht für Montag gibt uns Hoffnung und einen Plan B sollte man ja sowieso in den Bergen immer haben. Also war der Entschluss schnell gefasst. Nach der Materialkunde in der 30 Grad warmen Geschäftsstelle geht’s Freitag nach der Arbeit in die kalten und nassen Tannheimer Berge.
Trocken verläuft die Anreise vorbei am Plansee. Kaum am Parkplatz angekommen und am Ticketautomat das Kleingeld suchend, kommen die vorhergesagten Regentropfen. Charly Gabl, danke für die Gründung vom Alpenverein-Wetterdienst in den 80ern und der stetigen Verbesserung der Vorhersagen für die Alpen. Auf Dich ist Verlass.
Nach dem nassen Aufstieg erst mal rein in die urige Stube und Klamotten trocknen. Kurze Zeit später sitzen wir bei der gemeinsamen Brotzeit. Solidarisch werden die heraufgeschleppten Leckereien geteilt. Ein paar Teilnehmer kennen sich bereits durch andere TAK Unternehmungen und haben sich zufällig wieder in dem Kurs getroffen. So ist das beim TAK. Man kennt sich und so fühlt man sich gleich wohl. Mit Freu[n]den am Berg. Passender könnte der Slogen beim Kranzl nicht sein. Das wird einmal mehr deutlich.
Samstagmorgen solls trocken bleiben. Und es hält. Mit kalten Fingern bauen wir die ersten Standplätze und lernen, mobile Sicherungen zu legen. Friends, Cams, Keile, Schlaghaken, Tricam, usw. werden uns noch das ein oder andere Mal mehr Sicherheit geben. Kurze zwei Seillängen (SL) und dann im Regen zurück. Puuhhh, alles Praktische geschafft. Danch noch etwas Theorie und ab zum warmen Essen ins Gimpelhaus….
Sonntagmorgen, alle sind gespannt ob wirklich Schnee liegt. Etwas Graupel, Kälte und Nebel, aber es scheint nicht so schlimm gekommen zu sein, wie befürchtet. Trotzdem ist Keinem danach sich morgens schon in die nasskalte Natur zu begeben. Plan B zündet. Reihenschaltung im Bettenlager, kein Problem. Christoph plant mal wieder perfekt den Kurs um den Wetterbericht rum und zum Mittag wird das Wetter besser. Wir lernen Schleifknoten in allen erdenklichen Positionen, gehen zum Fels und bauen teils „wilde“ mobil abgesicherte Stände und bewerten diese gegenseitig. Jeder soll vom Anderen lernen und so nimmt jeder die Kritik dankend an. Ohne Luft unter den Füßen zum Glück auch kein Problem. Oben sollt´s dann scho passen 😊
Big Wall Game, was halten die Friends und Keile denn wirklich? Wir kämpfen uns wie die abenteuerlustigen Besucher vom Yosemite Valley technisch durch „The Nose“. Naja, fast jedenfalls. 3er Keil sollte in den Riss passen, cool – hält… Nächster Friend, Leiter reinhängen, draufsteigen. Pauffff, da fliegt er. Zum Glück Toprope abgesichert, sonst wärs schmerzhaft geworden. Für Jeden ein super Training, um im Umgang mit mobilen Sicherungen ein besseres Gefühl zu bekommen. Da sind wir uns einig. Parallel sind die Anderen an der zweiten Station. Flaschenzüge stehen auf dem Programm, nach einer Stunde dann Wechsel. Und das Wetter wird besser und besser. In der Abendsonne steigen wir ab, genießen die tolle Stimmung bei den Klängen der Gitarre von Moritz vor der Hütte.
Eine schöne Klettertour wünscht sich unser Geburtstagkind der Zweite Christoph für den Montag. Und der kommt. Das Gelernte wird in der alten Südwand angewandt. Kalt starten wir und die Finger frieren in den ersten beiden SL. Aber wir werden warm und so steigen wir abwechselnd durch die Wand vor bis zum Gipfel. Man fühlt sich sicher im Umgang mit dem Gelernten und so wartet mit der 50 Meter Abseilpiste durch den Überhang noch ein Highlight. Frei hängend genießt man die Aussicht übers Tannheimer Tal. An zwei 8mm dicken Seilen und einem Tuber. Und der Gedanke kann schon kommen, ob man noch alle Tassen im Schrank hat 😊 Heil am Boden angekommen, ziehen wir am blühenden Edelweiß vorbei, zurück ins Tal.
Bei einem riesen Becher Eis in Reutte berichtet jeder, wie der Kurs für einen war. Und alle sind sich einig, dass viel Wissen vermittelt wurde und der Spaß am Berg trotz des bescheidenen Wetters nicht zu kurz kam. Danke Simon, ähhh Christoph 😉
von Alex K.